Strompreise steigen wegen Atomausstieg

Mai 9th, 2011 | Gelistet unter: Allgemein | Tags: , |

Unumstritten scheint heute die Feststellung zu sein, dass der beschleunigte Atomausstieg zu höheren Strompreisen führen wird. Die Schätzungen über das Ausmaß des Preisanstiegs gehen jedoch weit auseinander. Interne Berechnungen des Bundeswirtschaftsministeriums prognostizieren eine monatliche Mehrbelastung von etwa 1,50 Euro für private Haushalte, andere Studien sagen einen Preisanstieg von nahezu 40 % bis 2020 voraus.

Welche Kosten entstehen?

Die zusätzlich ans Netz zu nehmenden konventionellen Kraftwerke tragen nur marginal zu der erwarteten Steigerung beim Strompreis bei. Deutlich höhere Kosten verursacht der Ausbau der Stromnetze und der erforderlichen Speichertechnologien. Stromspeicher werden durch den Ausbau der regenerativen Energien erforderlich, da es nicht möglich ist, die Leistung eines Wind- oder Solarkraftwerks stets dem aktuellen Bedarf anzupassen. Strom muss also in Zeiten intensiver Sonneneinstrahlung bzw. starken Windes für leistungsschwächere Zeiten zwischengespeichert werden. Als wichtigste Technologie werden Pumpspeicherkraftwerke diskutiert. In solchen Kraftwerken wird ein aktuelles Überangebot an Strom genutzt, um Wasser in einen hoch gelegenen Stausee zu pumpen. Im Bedarfsfall strömt das Wasser wieder in das tiefer gelegene Reservoir und treibt dabei Turbinen an. Eine ähnliche Idee liegt Druckluftspeichern zugrunde, die überschüssigen Strom zum Komprimieren von Luft nutzen. Während der Bedarf an Speichern relativ präzise abgeschätzt werden kann, gestaltet sich diese Prognose beim erforderlichen Netzausbau komplizierter. Die Schätzungen variieren zwischen etwa 800 zusätzlich erforderlichen Leitungskilometern und deutlich über 4000.

Gründe für die große Spannweite der Schätzungen

Allgemein wird davon ausgegangen, dass offshore Windparks in der Nordsee einen wesentlichen Beitrag zur Stromversorgung leisten werden. Die große Distanz zu den Stromverbrauchern in Süddeutschland begründet den hohen Bedarf an zusätzlichen Leitungen. Dem liegt allerdings die Annahme zugrunde, dass die süddeutschen Bundesländer ihre bislang restriktive Genehmigungspraxis für den Bau von Windrädern weiterhin verfolgen werden. Aus Gründen des Landschaftsschutzes spielen Windräder in Süddeutschland bislang eine nur geringe Rolle. Sollte diese Praxis aufgegeben werden, könnte deutlich mehr Strom in Verbrauchernähe erzeugt werden, was den erforderlichen Netzausbau stark reduzierte. Ein weiteres Problem, das die Prognose der Strompreisentwicklung erschwert, besteht in der marktbeherrschenden Stellung weniger Anbieter auf dem Strommarkt. Nur wenn diese Oligopolstruktur fortbesteht, werden die Stromanbieter ihre Kostensteigerungen voll auf den Preis umlegen können. Unklar ist noch, ob der Ausbau regenerativer Energien die Marktposition regionaler Anbieter stärken wird. Auch darauf haben politische Entscheidungen großen Einfluss.



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